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Lass uns alles tun - Gedichte mal andersVeröffentlicht am 08.03.2017 in Freizeit

„Lass uns alles tun, weil wir können und nicht müssen, denn jetzt sind wir jung und lebendig und das soll ruhig jeder wissen.“ Mit Worten wie diesen schafft es die 24 jährige Poetry Slammerin Julia Engelmann immer wieder jung und alt zu begeistern und in ihren Bann zu ziehen. Doch was steckt hinter ihrem Erfolg und was ist eigentlich Poetry-Slam?

Als Julia Engelmann 2010 beim Bremer Slammer-Filet antrat hätte sie sich wahrscheinlich nicht zu träumen gewagt, was das auslöst. Mit ihrem Text „Eines Tages, Baby“, der sich auf das Lied One Day/Reckoning Song bezieht, gewinnt sie den Dichterwettstreit und wird kurz darauf zur Internetberühmtheit. Innerhalb kürzester Zeit wird ihr Auftritt auf YouTube veröffentlicht und tausendfach geklickt. Mittlerweile hat das Video schon mehr als 10 Millionen aufrufe und Julia Engelmann ist auch außerhalb des Internets zu einer kleinen Berühmtheit geworden. Im Juni 2014 veröffentlichte sie ihr erstes Buch „Eines Tages, Baby“ mit ihren eigenen, teilweise sehr persönlichen, Poetry-Slam-Texten. Im November 2015 folgte „Wir können alles sein, Baby“,  im Oktober 2016 „Jetzt, Baby“. Zweimal tourte sie mit ihren Texten bereits durch Deutschland und füllte dabei riesige Hallen. Bei ihren Auftritten sieht man Menschen von jung bis alt, die begeistert ihren Worten lauschen, diese teilweise auswendig mitsprechen können und deren Augen vor Begeisterung strahlen.

Doch wie kann es sein, dass selbst junge Leute sich dafür begeistern können, obwohl die meisten nie freiwillig ein Gedichte gelesen hätten?

Beim Poetry-Slam geht es nicht um Gedichte im klassischen Sinn, sonder um selbstgeschriebenen Texte, die innerhalb einer bestimmten Zeit vorgetragen werden. Diese „Vorträge“ werden durch kleine Performances und Selbstinszenierung des Poetry-Slammers ergänzt. Die deutschsprachige Slam-Szene entwickelte sich, nach der englischsprachigen, schnell zur zweitgrößten der Welt.

So unterstützt Julia Engelmann das Vortragen ihrer Texte durch sehr viel Mimik, Gestik, Gesang und einer Menge Konfetti, das sie, wie ein aufgeregtes kleines Kind, ständig um sich wirft und die Zuschauer damit schnell mit ihrer guten Laune ansteckt. Ihre Gesangseinlagen bezeichnet sie selbst als Kaffee bei einer Weinprobe. Eine kleine Abwechslung zwischendurch, um die nächsten Gedichte besser verdauen zu können.

Ihre lockere und lustige Art begeistert die Menschen und mit ihren Texten spricht sie oft Probleme, mit denen sich alle identifizieren können an. Egal ob es sich dabei um die erste Liebe, den Liebeskummer, Selbstzweifel oder die Angst vor der Zukunft und dem Leben handelt. Mit ihren tiefgehenden Texten macht sie Menschen Mut, gibt ihnen Motivation und Hoffnung und sorgt damit dafür, dass man sich nicht mehr ganz allein mit seinen Ängsten, Sorgen, Gedanken und Problemen fühlt. So fällt es, vor allem vielen Jugendlichen, viel leichter sich mit den Texten auseinanderzusetzen und sich dafür zu begeistern.

Vielleicht sollte man sollte also einfach mal darüber nachdenken, diese moderne Art von Gedichten zu einem Teil des Unterrichts zu machen um den Schülern die Interpretation von Gedichten angenehmer zu machen.

 

Patricia

 

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