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Von italienischer Pizza, vielen Touristen und einem kranken BusfahrerVeröffentlicht am 14.10.2016 in Schule

Die 13. Klasse auf Studienfahrt am Gardasee

Einen kranken Busfahrer wünscht man sich nicht – ist bei uns aber so passiert. Von Anfang an: Montagmorgen, halb sechs. 12 kühle Grad, Nieselregen. Mit mir stehen 63 Schüler aus der 13. Klasse vor dem Haupteingang zur Schule. Nein, wir sind nicht zu früh an der Schule, um in einen gewöhnlichen Unterrichtstag zu starten.

Die alljährliche Studienfahrt – inoffiziell „Abschlussfahrt“ – steht an. Studienfahrt, denn wir sollen ja auch etwas für uns mitnehmen. Nachdem die Anwesenheitsliste geführt wurde und alle nochmal für kleine Jungs und Mädels waren, stehen wir zehn vor sechs vor dem Bus. Unsere Koffer werden im Bus verstaut und wir suchen uns die besten Plätze im Bus. Ein Doppelstockbus. Heißt: Die meisten wollen nach oben, um die schöne Aussicht zu genießen. Folge: Es wird gedrängelt. Nachdem alle ihre Sitzplätze eingenommen haben, rollt der Bus Punkt sechs los.

Angesichts des Wetters in der Heimat, freuen wir uns auf das hoffentlich wunderschöne Wetter am Gardasee in Italien – dem Ziel unserer Reise. Die Verteilung im Bus: Frau Wolf-Maywald, Frau Junghans und Frau Flugrat-Schmidt sowie einige Schüler sitzen unten, oben der Rest des Jahrganges. Kurz nach Chemnitz halten wir in einem abgelegenen Industriegebiet. Michael steigt ein – unser Busfahrer. Kurze Pause. Zehn Minuten später geht es weiter. Halb elf wieder eine Pause. Diesmal nahe Nürnberg. Einige verspüren schon Hunger. Glücklicherweise gibt es hier einen „Burger King“.

Die weitere Fahrt ist nicht besonders spannend. Filme schauen, Musik hören, am Handy spielen, schlafen, essen. Dazwischen immer wieder Pausen. Halb drei am Nachmittag sehen wir die ersten Berge. Österreich kann nicht mehr weit entfernt sein. Kurz hinter der Grenze legen wir eine Pause ein, da der Bus betankt werden muss. Auf dem Platz vor der Tankstelle spielen einige Fußball, andere schießen Fotos von dem gewaltigen Bergpanorama. Es geht weiter – vorbei an Innsbruck und Bozen. Halb sechs am Abend machen wir noch eine letzte Pause auf einem Rastplatz. Um sieben geht die Sonne unter. Wir sitzen noch immer im Bus und haben noch nichts vom Gardasee gesehen. Im Dunkeln sehen wir die Umrisse des Gardasees sowie die beleuchteten Boote darauf und um halb neun erreichen wir endlich Toscolano-Maderno – unsere Heimat für die nächsten Tage.

Toscolano-Maderno ist ein wunderschöner kleiner Ort mit etwa 8000 Einwohnern am Westufer des Gardasees. Zwischen dem Ufer des Gardasees und dem Gebirge findet man alles, was man braucht – Apotheken, Einkaufszentren und Restaurants.

Der Abend ist recht schnell erzählt. Wir bekommen die Schlüssel für unsere Bungalows und richten uns dort mehr oder weniger häuslich ein. Immer zu viert belegen wir die Bungalows. Die Nachtruhe auf dem Campingplatz beginnt bekanntermaßen 22 Uhr. Bis dahin ist es noch etwas Zeit und so schließe ich mich noch einigen Freunden an. Wir möchten eine Pizzeria im Ort besuchen. Ein Mann erklärt uns, dass der Weg ziemlich weit wäre. Wir beschließen, uns den Platz und das sich daneben befindliche Hotel genauer anzuschauen und uns dort etwas zu Essen zu suchen. Auf unserem Weg treffen wir auf die drei Tutorinnen. Sie laufen geradewegs in das Restaurant des Hotels – wir hinterher.

Auf die Frage des Kellners, ob wir alle zusammen sitzen möchten, antworten die Lehrerinnen mit „ja“ und so genießen wir gemeinsam den lauen Sommerabend mit original italienischer Pizza und Pasta. Kurz vor Beginn der Nachtruhe begeben wir uns wieder zu unseren Bungalows. Dort treffen wir auf die anderen, die im Ort Pizza essen waren. Alle sind satt und ziemlich platt von der Busfahrt und so sind spätestens um elf alle im Bett.

 

Dienstag, 20. September

Acht Uhr. Die Sonne scheint bereits kräftig durch die Palmen am Ufer des Gardasees. Unser erster Termin: Das Frühstück. Das Buffet ist sehr reichhaltig. Rührei mit Speck, Brötchen, Marmelade, Schinken und Käse, Aufstriche, Croissants, Obst, Kaffee und Orangensaft – alles, was müde Jugendliche zum Wachwerden benötigen. Halb zehn – etwas verspätet – verlässt unser Bus nach kompliziertem Rangieren den Campingplatz mit dem Ziel Verona. Einige sind noch müde und nutzen die Busfahrt, um Schlaf nachzuholen.

Zwei Stunden später erreichen wir Verona. Nach dem Toilettengang laufen wir gemeinsam in Richtung der Piazza Bra. Dort treffen wir auf unsere beiden Stadtführer und lassen uns – getrennt in zwei Gruppen – die Stadt zeigen. Wir erfahren, dass die Arena von Verona wahrscheinlich um 30 nach Christus erbaut wurde und auch heute noch für zahlreiche Veranstaltungen genutzt wird. Sie bietet Platz für 22.000 Zuschauer. Auch das Haus der Julia aus der Tragödie „Romeo und Julia“ von William Shakespeare und den Hügel San Pietro sowie weitere zahlreiche Sehenswürdigkeiten sind Teil der zweistündigen Stadtführung.

Im Anschluss an die Führung bleiben uns noch zwei Stunden Zeit, um die Stadt in kleinen Gruppen zu erkunden. Einige gehen Pizza essen, andere Eis. Auch Postkarten werden gekauft und die letzten Erledigungen für den Abend in Toscolano-Maderno getan. Gegen 16 Uhr treffen wir uns wieder am Bus und fahren in Richtung Campingplatz. Dort angekommen, ziehen viele die Badehose an und nehmen das Handtuch in die Hand. Das erste Mal Baden im Gardasee steht auf dem Plan. Einige trauen sich in den kühlen See und verbringen dort einige Minuten. Als sie wieder herauskommen, sind sie froh, ein wärmendes Handtuch bei sich zu haben.

Ich verbringe – wie viele andere – noch einige Zeit am Gardasee, bis es wieder zurück zu den Bungalows geht. Auch an diesem Abend besuchen einige aus dem Jahrgang eine der Pizzerien im Ort, bekochen sich und die Gruppe selbst oder spielen Spiele mit unangenehmen Geschmack (Stichwort: Bean Boozled!). Nach zehn begeben sich die Meisten von uns in die Bungalows. Gegen elf gehen unsere drei Tutorinnen noch ihre allabendliche Runde über den Platz.

 

Mittwoch, 21. September

Mittwochmorgen, sechs Uhr. Der Wecker klingelt. Wir haben Großes vor. Venedig – die Stadt im Wasser möchten wir besuchen. Um sieben sitzen wir im Frühstücksraum, Punkt acht startet der Bus. Vor allem wegen des frühen Aufstehens schlafen heute viele im Bus, andere spielen Karten. Warum auch nicht – ist ja genug Zeit dafür.

Nachdem wir einige Vororte von Venedig und bereits viel Wasser gesehen haben, erreichen wir nach der dreistündigen Busfahrt einen Hafen. Bald merken wir, dass wir hier nicht die Einzigen sind. Viele weitere Reisebusse reihen sich aneinander. Nach einem kurzen Fußmarsch betreten wir über einen wackeligen Steg ein Schiff. Auch hier befinden sich weitere Schulklassen. Gemeinsam mit ihnen überqueren wir bei Nieselregen die Laguna Veneta. Nach zwanzig Minuten erreichen wir endlich Venedig.

Der erste Weg führt uns zum wohl bekanntesten Platz Venedigs – dem Markusplatz. Eine Stunde Freizeit heißt es dort. Also begeben wir uns in kleinen Gruppen auf eine kleine Erkundungstour durch die Stadt. Auch hier besorgen einige wieder Postkarten und Briefmarken, andere besorgen sich etwas zu Essen. Pizza steht anscheinend weit oben auf der Beliebtheitsskala.

Wir treffen uns wieder auf dem Markusplatz und lernen unsere Stadtführerin kennen, die uns in zwei Stunden die interessantesten und wichtigsten Sehenswürdigkeiten zeigen soll. So erklärt sie uns, dass gerade Hochwasser ist. Das erkenne man daran, dass das Grundwasser durch die Gullideckel nach oben gedrückt wird. Stimmt. Um viele Gullideckel versammelt sich Wasser. In den folgenden zwei Stunden sehen wir unter anderem die Saint Mark's Basilica und sehr viele Kanäle (etwa 175 soll es davon geben) mit den berühmten Gondeln darauf an. Außerdem bestaunen wir einige der 398 historischen Brücken, wie die Rialtobrücke. Vor allem aber, sehen wir Menschen. Menschen verschiedener Kulturen. Tausende besuchen die Stadt jeden Tag.

Im Anschluss an die Führung verbleibt uns leider nur noch etwas mehr als eine Stunde, um die Stadt noch etwas auf sich wirken zu lassen. In kleinen Gruppen vertreiben wir uns diese Zeit und kaufen noch letzte Souvenirs für die Lieben zuhause, essen noch eine Kleinigkeit oder machen Erinnerungsfotos. Die Fotoapparate und Handys sind sowieso seit dem Betreten Venedigs nicht mehr in den Taschen verschwunden. Kurz vor fünf treffen wir uns wieder an der Schiffsanlegestelle. Auch als unser Schiff gerade ohne uns den Hafen Venedigs verlässt, fehlen noch zwei aus dem Jahrgang.

Als auch sie ankommen, chartert Busfahrer Michael ganz schnell noch ein Schiff zum Festland. Diesmal gehört es ganz uns. Noch nicht mal die Sitzplätze reichen für den gesamten Jahrgang. Das Schiff kommt auf eine höhere Geschwindigkeit als das Schiff der Hinfahrt und so reichen die Wellen bis an die Fenster unseres Bootes. Allgemein ist die Rückfahrt ziemlich wackelig – nicht allen gefällt das. Nach einer viertel Stunde erreichen wir wieder das Festland.

Als wir nach der dreistündigen Rückfahrt wieder Toscolano-Maderno erreichen, ist es bereits ziemlich spät. Einige treffen sich noch vor den Bungalows, andere gehen bereits schlafen. Ein anstrengender Tag…

 

Donnerstag, 22. September

Nach dem reichhaltigen Frühstück treffen wir uns um kurz vor neun am Bus. Doch dort gibt es eine Hiobsbotschaft – verkündet von Frau Flugrat-Schmidt. Der Busfahrer sei krank. Nach den zwei vergangenen doch recht anstrengenden Tagen sind viele von uns ziemlich froh, nicht an dem für diesen Tag geplanten Programm – der Besuch eines Kletterparks und eines Spaßbades – teilnehmen zu müssen und so begeben wir uns erstmal wieder zu unseren Bungalows. Eine Stunde später stellen uns die drei Tutorinnen zwei Möglichkeiten zur Auswahl. Entweder eine kleine Wanderung in das Papiermuseum im Ort plus anschließender Freizeit oder eine Schifffahrt über den Gardasee in einen anderen Ort.

Die Mehrheit entscheidet sich für die Wanderung in das Papiermuseum und so finden wir uns eine halbe Stunde später wieder zusammen, um dorthin zu starten. Nach einem kurzen Fußweg durch das Tal der Papiermühlen erreichen wir das Papiermuseum – eine ehemalige Papierfabrik. Bereits im 14. Jahrhundert wurden hier mithilfe von Wasserkraft Papier aus Lumpen hergestellt und Venedig sowie andere Metropolen damit beliefert. Eine freundliche Museumsführerin zeigt uns das Museum mit einer kleinen Druckausstellung sowie antiken Büchern und erklärt uns das damalige Verfahren der Papierherstellung. Wir laufen durch das Tal zurück in den Ort und trennen uns zur Mittagszeit.

Fünf Stunden Freizeit werden uns zur Verfügung gestellt. Einige besorgen sich Abendbrot, andere gehen zum Mittagessen, an den Gardasee oder zurück zum Campingplatz. Am Abend versammeln sich wieder alle an und in den Bungalows. Doch eine Gruppe fehlt noch. Eine Gruppe entschied sich, die Freizeit sehr aktiv zu verbringen und verließ uns bereits an der alten Papierfabrik. Etwas später als geplant erreichen sie Toscolano-Maderno und erzählen von ihrer Wanderung durch die Berge.

Bereits nach der Nachtruhe sitzen viele aus dem Jahrgang noch am Gardasee und blicken gemeinsam auf die letzten Tage zurück. Es fließt auch etwas „gegorene Milch“. Die Party wird allerdings bald von den drei Tutorinnen beendet und so liegen nach einer unnötigen Auseinandersetzung untereinander gegen Mitternacht alle in ihren Betten.

 

Freitag, 23. September

Der Tag der Rückfahrt ist angekommen und so treffen wir uns bereits gegen sieben Uhr im Frühstücksraum. Ein letztes Mal genießen wir das wirklich gute Buffet und sagen dem Graupapagei „Auf Wiedersehen“. Er ist nicht ganz unbegabt und so begrüßt er jeden Morgen die Gäste. Geplante Abfahrt war noch vor neun. Daraus wurde dann halb zehn. Einige hatten ihre Koffer noch nicht vollständig gepackt und die Gruppe eines Bungalows war auch erst kurz vor der Abfahrt frühstücken und der Bungalow musste ja auch noch aufgeräumt werden. Außerdem gab es noch Ärger mit einem anderen Busfahrer.

Für unseren Busfahrer hat man mittlerweile einen Ersatz gefunden und so verlassen wir halb zehn das Gelände des Campingplatzes in Toscolano-Maderno in Richtung Heimat. 14 Stunden Busfahrt (inklusive mehrerer Staus auf der Brennerautobahn) stehen uns bevor. Gleiches Schema wie auf der Hinfahrt: Lesen, Schlafen, Essen, Karten spielen, Filme schauen – dazwischen aller zwei Stunden eine Pause.

Ich frage einige nach ihrem Resultat zu der Studienfahrt. Die Mehrheit meint, es wären schöne Tage gewesen, die wir in Italien verbracht haben. Allerdings hört man auch, dass der Besuch in Verona und vor allem Venedig zu stressig gewesen wäre, zumal die Busfahrt dorthin und am Ende auch wieder zurück zum Campingplatz mit mindestens zwei Stunden pro Strecke zu lange gedauert hätte. Aileen fasst die Fahrt unter einem anderen Aspekt auch recht treffend zusammen: „Zu Beginn der Fahrt waren 5% krank, am Ende 95%.“ Tatsächlich: Fast alle schlagen sich jetzt mit einer mehr oder weniger kleinen Erkältung herum.

Obwohl der Busfahrer nicht alle Verkehrsregeln genau beachtet und mehrmals zu knapp LKWs überholt, erreichen wir unsere Heimat erst kurz nach elf am Abend. Einige möchten jetzt noch das Weinfest besuchen, andere ganz schnell unter die heimische Bettdecke springen.

 

 

Paul Jonas Grunze

 

PS: Mein Kommentar zur diesjährigen Studienfahrt an den Gardasee

Persönlich bin ich mit der Studienfahrt mittelmäßig zufrieden. Positiv anzuführen sind die Besuche in Verona und Venedig sowie der mehr als entspannte Donnerstag. Nach zwei recht stressigen Tagen in den Metropolen brauchten wir auch einmal Zeit für uns und Toscolano-Maderno selbst. Auch Zeit zum Baden, denn die hatten wir bis dahin nicht wirklich. Auch unter uns war die Stimmung sehr angenehm.

Negativ anzuführen sind allerdings die Auseinandersetzungen untereinander – vor allem am Donnerstagabend. Das muss ganz klar nicht sein. Wer Müll produziert, der räumt ihn auch weg. Ganz einfach, oder?! Unschön waren auch die langen Busfahrten zu den Programmpunkten – zum Beispiel Venedig mit drei Stunden pro Strecke. Ich habe es mal ausgerechnet. Wir saßen zusammengerechnet etwa 34% der Studienfahrt im Bus.

Ansonsten war es eine angenehme Studienfahrt, die ich ohne die negativen Aspekte gerne wiederholen würde.

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