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Schule am Morgen: Der Kampf gegen den eigenen BiorhythmusVeröffentlicht am 12.05.2016 in Schule

Jeder Schüler kennt und hasst es: Das nervige Weckerklingeln, dass uns schon am frühen Morgen aus den schönsten Träumen von einem sorgenlosen und entspannten Leben reißt. Schlecht gelaunt und ohne Motivation quält man sich dann zu den furchtbarsten Zeiten aus dem Bett, obwohl man eigentlich am liebsten sofort wieder den Rückzug unter die warme Bettdecke antreten will.

Sobald man dann in der Schule sitzt, während es draußen teilweise noch dunkel ist, sehnt man sich nur umso mehr nach seinem Bett und freut sich schon auf das Wiedersehen am Abend.

Kann man mit dieser Einstellung und um diese Zeit überhaupt richtig lernen und hat man so genug Energie, um den, teilweise stressigen und anstrengenden, Schulalltag durchzuhalten?

Die Vorteile an einem späteren Schulbeginn sind schwer zu übersehen. Abgesehen davon, dass man ausgeschlafener und dadurch vielleicht etwas motivierter ist, könnte man auch viel entspannter in der Schule ankommen. Wie bereits mehrere Verkehrsgesellschaften feststellten, würde der Weg zur Schule oder auch zur Arbeit wesentlich ruhiger ablaufen, wenn die Schulen später mit dem Unterricht beginnen würden, da sich die Menschen, die schon früh am Morgen zur Arbeit oder in die Schule müssen, auf mehrere Busse, Züge oder S-Bahnen aufteilen würden. Das würde bedeuten, dass die öffentlichen Verkehrsmittel nicht so überfüllt wären und dadurch jeder die letzten ruhigen Minuten vor der Arbeit oder der Schule genießen könnte, statt sich genervt in den Bus zu quetschen und sich dann auch noch mit genau so schlecht gelaunten Menschen um die wenigen Sitzplätze zu streiten.
Von Wissenschaftlern und Forschern wird das zeitige Aufrudolf ortner  / pixelio.destehen schon als sozialer Zwang bezeichnet, der gegen unsere biologische innere Uhr arbeitet. Der Biorhythmus von Jugendlichen arbeitet nämlich anders als der von Erwachsenen oder Kleinkindern. Das Schlafhormon Melatonin, dass dafür sorgt, dass wir müde werden, wird im Alter von 14 bis 21 deutlich später ausgeschüttet als bei anderen Altersgruppen. Dadurch wird man abends später müde, schläft später ein und kommt früh am morgen umso schwerer aus dem Bett. Regelmäßig werden deshalb vor allem die ersten Schulstunden lustlos und im Halbschlaf verbracht. Der zeitige Schulbeginn fördert außerdem schlechte Noten und Krankheiten, da der Körper sich irgendwann mit Erschöpfung oder anderen Symptomen gegen den wenigen Schlaf und den Stress wehrt.
So schön der Traum vom späteren Schulbeginn auch klingt – man sollte auch die Vorteile an dem vermeintlich schönen Traum nicht unbeachtet lassen. Beginnt man erst gegen 8 Uhr mit dem Unterricht, bedeutet das nämlich nicht nur, dass man früh länger schlafen kann. Das bedeutet auch, dass man die Schule am Nachmittag erst deutlich später verlässt. Man würde bis 17 Uhr oder sogar noch länger in der Schule sitzen, hätte dann noch den Heimweg vor sich, der für einige Schüler teilweise sehr weit ist, und muss sich dann noch an die Hausaufgaben setzen. Auf längere Zeit gesehen, könnte das sehr anstrengend und kräftezehrend werden. Das sieht auch die 17-jährige Jenny so. Sie geht in die 11.Klasse und fährt täglich 30 Kilometer mit dem Bus und muss schon halb fünf ihr warmes Bett verlassen. Und das nur, um pünktlich zum Unterrichtsbeginn in der Schule zu sein. „Wenn der Unterricht, so wie bei uns, viertel acht beginnt und wir bis halb drei, oder teilweise sogar bis um vier, in der Schule sitzen, bin ich erst spät zu Hause. Aber auch dann kann ich mich noch nicht entspannen, stattdessen muss ich mich an Hausaufgaben setzten oder für Tests lernen. Abends fällt man dann meistens erschöpft ins Bett und schläft. Das zerrt schon ziemlich an den Nerven. Wenn der Unterricht später beginnen würde, wäre ich noch später zu hause, könnte dadurch erst später lernen und wäre noch später im Bett. Das fände ich nicht gut, auch wenn der Gedanke an das längere Schlafen am Morgen sehr verlockend ist.“ Und wo würde dann die Zeit für Freunde, Hobbies und Spaß bleiben? Man hat einfach nicht mehr viel vom Tag, wenn man erst am Abend wieder nach Hause kommt. Besonders schlimm könnte das im Winter sein, da es dann bereits dunkel wird, während man noch in der Schule sitzt und ob die Motivation, die man am Morgen durch das längere Schlafen hat, dadurch lange anhält, ist zu bezweifeln.

Wie man sieht, ist es nicht so leicht, sich für oder gegen den Biorhythmus der Schüler zu entscheiden. Niemand will zu zeitig aufstehen, aber erst spät am Abend zu Hause zu sein, gefällt auch keinem. Egal wie sich die Diskussionen zu diesem Thema entwickeln – man sollte seinen inneren Schweinehund überwinden können und das Bett, ohne zu große Sehnsucht, hinter sich lassen oder seinen Tagesablauf so umgestalten, dass es nicht so schlimm ist, wenn man erst etwas später die Schule verlässt.

Patricia

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