DER  SPICKER
Die Online-Zeitschrift, die schreibt, was euch bewegt.
Hinweis: Der Spicker veröffentlicht nun monatlich

Was machen die dort?Veröffentlicht am 26.04.2016 in Schule

Schon mal etwas von Langebrück gehört? Nein? Kleine Ortschaft, etwa 15 Kilometer entfernt von Dresden und viel Natur. Das sind die Eckpunkte. Genau dorthin haben sich am vergangenen Wochenende 27 Schüler der zwölften Klasse aufgemacht.

Um genau zu sein: Aufgemacht in das Literatur-Camp 2016. Das ist schon seit einigen Jahren eine Tradition. Immer im April begibt sich der Literaturkurs der zwölften Klasse für ein Wochenende in die einsame Natur. Nur, was machen die dort?

Die Aufgabe für die Schüler des Literaturkurses besteht im zweiten Halbjahr darin, ein Hörspiel zu produzieren. In diesem Jahr diente der Roman „Die geheimnisvolle Insel“ von Jules Verne als Vorlage. Egal ob nun stur nach dem Text oder völlig frei erfunden: Das Thema des Buches soll erkennbar sein. So reichen die Ideen in diesem Jahr von einer witzigen Darstellung des Romans bis hin zu der Begleitung einer Flüchtlingsgruppe auf dem Weg von Syrien, hin zu einem friedlicheren Ort in der weiten Welt. Zwei Monate haben die Schüler Zeit, in Gruppen ein Drehbuch zu schreiben. Im April geht es dann für ein Wochenende auf Produktion. So auch in diesem Jahr.

Freitagabend, 19 Uhr. Ich werde am Eingang zum Gelände des Feriendorfes Langebrück abgesetzt. Noch sind nicht viele angekommen. Einzig Herr Stöckl und mein Zimmernachbar, der uns schon einmal die beste Unterkunft gesichert hat, stehen auf einer Wiese neben dem Grill. Noch hört man die Vögel in der Sonne zwitschern und die Baumwipfel rascheln. Das Gepäck ist schnell verstaut und schon trifft die erste Fahrgemeinschaft ein. Nun sind wir schon zu siebt und kommen auf die Idee, noch einmal in den nahegelegenen Supermarkt zu fahren, um noch einiges für den Grillabend zu besorgen.

Gesagt getan. Um acht liegen die ersten Würstchen auf dem Rost. Zu fünfzehnt stehen wir um den Grill herum und quatschen miteinander, ab und zu wenden wir die Steaks. Nachdem zwei Stunden später auch der Letzte mit dem Abendessen fertig ist, trennen wir uns alle recht schnell, um uns kurze Zeit später in den Unterkünften wieder zu treffen. Die Karten werden herausgeholt. Nach einer halben Stunde merke ich, wie mir die Augen langsam aber sicher immer weiter zufallen. Ich verabschiede mich von den anderen und laufe ein Haus weiter. Nun stehe vor meiner Finnhütte. Das sind diese Häuser, die im Grunde nur aus einem Dach bestehen und ziemlich spartanisch eingerichtet sind.

Bevor ich mich ins Bett lege, muss erst einmal noch der Schlafsack ausgepackt und ausgebreitet werden. Nachdem das erledigt ist, besuche ich noch kurz das Bad. Das liegt einige Meter entfernt von der Finnhütte. Das heißt: Einmal quer über den Platz. Mir fällt auf, dass in den anderen Hütten noch ganz gut Betrieb ist. Betrieb ist auch bei uns in der Hütte. Die Elektroheizung läuft – die einzig vernünftige und funktionierende Heizung auf dem gesamten Platz. Doch die Müdigkeit hat gesiegt und so lege ich mich hin und schlafe ein.

Sonnabend, halb acht. Der Wecker klingelt. Es regnet. Perfekte Bedingungen, um den gesamten Tag gemütlich in der Finnhütte zu verbringen und ein Hörspiel zu produzieren. Ich stehe auf und laufe wieder in Richtung Bad. Ich treffe die ersten Kurskameraden, die erst heute angereist sind. Nicht nur sie. Auch die ersten, verschlafenen Partymenschen von gestern Abend. Punkt acht Uhr gibt es Frühstück. Noch nicht ganz munter sitzen wir an den Tischen im Gemeinschaftsraum. Die Auswahl am Buffet ist groß. Egal ob Marmelade, Käse oder Joghurt – für jeden ist etwas dabei. Gegen halb neun klopft Herr Stöckl an ein Glas und verkündet den Ablauf des heutigen Tages, der ganz klar im Zeichen der Produktion unseres Hörspiels steht.

Nachdem wir nun Bescheid wissen, machen wir uns wieder auf in Richtung der Finnhütten. Während die einen noch das Bad besuchen, holen die anderen bereits die Technik am Auto von Herrn Stöckl ab. Jede Gruppe erhält ein Mikrofon und einen Laptop. Punkt neun geht es los. Die ersten Aufnahmen werden gemacht. Und die klingen gar nicht mal so schlecht. Beeindruckt davon, wieviel Spaß die Aufnahme macht, arbeiten wir bis zum späten Nachmittag. Die ersten Gruppen werden fertig, einige beginnen bereits mit dem Schnitt.

Ich räume erst einmal die gesamte Hütte auf. Acht Menschen in unserer kleinen, doch recht engen Unterkunft hinterlassen schon etwas Unordnung.

Früher Abend. Wieder begeben sich einige – zu Fuß oder mit dem Auto – auf den Weg zum Supermarkt. Grillzeug wird eingekauft. Etwas später stehen wir wieder alle um den Grill herum. Ich bin erstaunt, was es nicht alles gibt, was man auf den Rost legen kann. Wir setzen uns an die Tische, essen in gemütlicher Runde zu Musik aus der Soundbox und tauschen uns über den Tag aus. Gegen neun trifft auch die letzte Gruppe, bei der die Aufnahme ein klein wenig länger gedauert hat, am Grill ein und bekommt – erstaunlicherweise – sogar noch etwas zu essen.

Wir treffen uns wieder in kleinen Gruppen in den einzelnen Finnhütten und lassen den Tag entspannt ausklingen. Als ich kurz nach zwölf noch einmal über den Platz laufe, stelle ich fest, dass es unglaublich ruhig ist. Man hört wieder die Baumwipfel im Wind rauschen. Es nieselt. Halb durchnässt treffe ich wieder in meiner Hütte ein, lege mich in das Bett und schlafe ein.

Sonntag, halb neun. Wieder klingelt der Wecker. Mein Zimmernachbar hat die Finnhütte bereits am frühen Morgen verlassen. Es regnet noch immer. Ich stehe auf, packe meine Sachen und räume das Zimmer auf. Betten machen, den Müll rausbringen und kurz durchkehren. Geschafft!

Ich mache mich wieder auf in Richtung Bad und begegne bereits den ersten Literaturfreunden. Müde begrüßen wir uns. Um neun Uhr gibt es Frühstück, halb zehn gibt Herr Stöckl die letzten Anweisungen. Nachdem ich die Technik abgegeben, das Zimmer kontrolliert und die Schlüssel zurückgegeben habe, verabschiede ich mich von allen und werde abgeholt. Auf der Rückfahrt denke ich noch einmal an die schönen Erlebnisse der drei Tage zurück und komme zu dem Ergebnis, dass das Wochenende sehr arbeitsreich, aber doch recht entspannt war. Spaß hat es auf jeden Fall gemacht. Gerne wieder!

 

Paul Jonas Grunze

Teilen

Kommentare

comments powered by Disqus