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Alpakas auf Weltreise XIIIVeröffentlicht am 04.02.2015 in Freizeit

Deutsche Touristen

Am letzten Tag unseres Aufenthaltes auf dem Land, dem Sonntag (17.1.15) haben wir es noch einmal richtig krachen lassen. Margot hat uns, mit unserer Hilfe, ein richtig gutes Abschluß Essen mit feinstem Fleisch bereitet, ich habe nen richtig leckeren Pisco Sour del Campo gemixt und zwei deutsche Touristen haben noch zwei Flaschen Wein zu gesteuert. Somit hatten wir noch einen richtig schönen letzten Abend.

Als die Touristen ins Bett gegangen waren, haben wir uns spontan dafür entschieden, noch feiern zu gehen. Am Tag zuvor war Margots Pickup aufgetaucht (ist ne lange Geschichte) und so hatten wir einen fahrbaren Untersatz.
Also sind wir zusammen mit Margot (47) und ihrem 30 jährigen Pickup 25 km halb eins in der Nacht nach Pucon gefahren. Unser altes, kaputtes und schmutziges, aber funktionierendes Auto haben wir zwischen den anderen großen, glänzenden Autos Versteckt.

Im Club angekommen eröffnete sich uns eine laute, andere Welt.
Die Boxen hatten leider kreischende Höhen, worüber auch ein Willkommens Getränk nicht hinweg trösten konnte – noch drei Tage im Nachhinein hatte ich einen Tinitus.
Merkwürdig für uns war vorallem die Art und Weise des chilenischen feierns:
Die Damen tanzten auf der Tanzfläche und die Herren des Partyvolkes standen am Rand, beobachteten erstere. So dastehend versuchten sie offensichtlich potenzielle “Tanzopfer” ausfindig zu machen. Einmal Beute erspäht, stiegen sie völlig unverblühmt auf die Tanzfläche und schnurstracks auf das auserwählte Objekt der Begierde zu, baten um einen Tanz.
Doch daraufhin hagelte es meistens nur Körbe. Und so standen, zu Beginn der Party (ein Uhr nachts), die Kerle nur völlig bescheuert im Weg.

Nun ratet mal was die einzigen Ausländer im Club, die zwei verrückten Deutschen gemacht haben…

Genau!
Wir haben gegen dieses System, diese verkrusteten Strukturen rebelliert!
Wir haben uns in die Mitte der Tanzfläche gestellt und den Chilenen gezeigt, wie man in Deutschland pflegt, richtig Party zu machen. Das war echt lustig, denn die anwesenden wussten offensichtlich gar nicht, dass man auch ohne einen Tanzpartner richtig Spaß haben kann. Als ich dann noch tief in die Shuffle-Trickkiste gegriffen habe, waren alle Zweifel beseitigt: Die beeindruckten Chilenen hielten uns für verrückt.

In der Zwischenzeit wurde Margot von einem verzweifelten jungen Mann nach dem anderen angesprochen – großzügig verteilte sie Ihre Körbe. Sie konnte aber auch erstaunlich gut tanzen. Doch irgendwann durfte mal einer mit ihr Tanzen.

Allerdings sind wir diese Reise auch angetreten, um andere Kulturen kennen zu lernen. Deshalb habe ich mir im späteren Verlauf des Abends doch noch eine junge Dame geschnappt, um zu lernen, wie man zu Reggaeton tanzt. Ich muss mich wohl recht gut angestellt haben, denn sie war sichtlich überrascht, als ich mich als deutscher Tourist outete.

Am nächsten Morgen klingelte nach lächerlichen zwei Stunden Schlaf der Wecker. Nun, der Wecker spielte Musik, das klingeln erzeugten meine Ohren. Also als erstes Musik über die Anlage spielen, um den Tinitus zumindest ignorierbar zu machen.
Wir fuhren nach Valdivia, einer kleinen Hafenstadt mit deutscher Geschichte. Unser Vorhaben, war es, ab sofort wieder Touristen zu sein und nicht gleich wieder “Sesshaft” zu werden.
Was macht man nun als deutscher Tourist in Valdivia? Man besucht natürlich die von deutschen gegründete Brauerei Kunstmann!
Eigentlich müssten sie garnicht mehr Bier brauen, so viele Touristen waren dort. Wir buchten eine Führung und warteten eine halbe Stunde an der frischen Luft, bis es losging. Nach anderthalb Stunden gingen wir vorsichtshalber mal fragen, ob sie uns vergessen hatten.
Ja, man hatte uns vergessen. Das störte uns aber überhaupt nicht,  denn wir bekamen jetzt unseren ganz persönlichen Führer und drei statt der üblichen zwei Geschenke. Erstes Geschenk war ein Bierkrug für jeden. Frisch aus Deutschland importiert, den wir jetzt 5 Monate mit uns herum schleppen werden, um ihn dann wieder nach Deutschland zu reimportieren. Zweites Geschenk war eine Füllung des Kruges, mit einem Bier, dass man nur in der Brauerei trinken kann. Ein wirklich leckeres, Natur trübes Bier. Und unser drittes Geschenk, was es nur für uns, als Entschuldigung für das Warten, gab, na wer errät es?

Es war eine Zweite Füllung unserer Bierkrüge.

Beschwingt, durch den positiven Verlauf der Führung entschieden wir uns dafür,  etwas kleines im Brauereirestaurant zu essen. Unser Frühstück war ein ganze weile her, und das merkten wir auch.
In der Speisekarte fanden wir Bratwurst aleman. Bei der Bestellung kam ich mir allerdings bescheuert vor, der chilenischen Kellnerin “Para nosotros dos Bratwürste pro favor.” zu sagen. Die chilenisch – deutsche Mischung der Wörter passte einfach nicht und wir drei mussten lachen – aber die Hauptsache: Wir bekamen, was wir wollten. Es war zwar lecker, aber bei bestem Willen nicht im entferntesten damit zu vergleichen, was man als Deutscher darunter versteht. Und ja, wir haben uns noch zwei kleine Bier bestellt, um das Sortiment ein wenig besser einschätzen zu können.
Aber wir haben uns aber auch echte Kultur in Valdivia gegönnt (um jetzt noch euer gutes Bild von uns zu retten). Wir waren zum Beispiel im Museum für moderne Kunst, oder haben uns ein spanisches Fort angeschaut. Alles in Allem ein richtiger Touri Ausflug halt…
In unserem Hostel haben wir ein Mädchen aus Berlin getroffen, die genau das Selbe wie wir macht. Wir haben uns mit ihr für Bolivien verabredet. Am letzten Abend waren wir in “Luxusstimmung” und sind mal wieder essen gegangen und haben gleich einen Mexikaner aus dem Hostel Mitgeschleppt.

Am 21.1.15 sind wir schließlich weiter nach Puerto Varas gereist.
Wir fanden uns in einer kleinen, ruhigen aber touristischen Stadt wieder. Allerdings sind die Touristen hier viel entspannter als in Pucon und man sieht viele Backpacker.
Zum Glück haben wir keine Schnarcher in unserem 7 Mann Zimmer, dafür musste ich fast jeden Tag in ein neues Bett oder neues Zimmer umziehen.
Wir waren auch in Puerto Montt , dem Tor zu Patagonien. Ist aber keine schöne Stadt. Dafür gibt es ein kleines Armenviertel, wo man keine nervigen Touristen trifft.
UND: Ich habe mir in Puerto Montt endlich eine neue Kamera kaufen können. Sie ist zwar nicht so gut, wie die letzte, aber das beste, was ich in den völlig schräg sortierten Malls seit Pucon auftreiben konnte.

Puerto Varas ist so klein und gemütlich, dass es noch nicht mal ein Nachtleben hat. Allerdings hat uns Ashley, eine äußerst coole australische Studentin, eine recht angenehme Bar gezeigt.

Am zweiten Abend dann sind alle in unserem Zimmer zeitig ins Bett gegangen (immer diese langweiligen Touristen…) und Franz ist auch ins Bett abgetaucht. Ich hatte allerdings noch keine Lust auf schlafen und bin in die Stadt, Ashley war leider schon wieder abgereist. Zweimal bin ich durch die Innenstadt gelaufen (also 20 Minuten) da nix los war bin ich halt in die Bar. Ich war noch nie alleine in ner Bar, aber ich beobachte gerne Leute… und ich konnte mich in Ruhe mit der neuen Kamera auseinandersetzen.
Doch irgendwann war mein Bier alle und ich wollte auf dem Heimweg noch mal am Strand vorbei. Und wie es eben so ist: Wenn man es nicht erwartet trifft man die coolsten Leute. So traf ich eine Gruppe von 7 äußerst lustigen Mädels,  deren Aufpass-Mutti auch noch ein wenig deutsch sprach. Nach ca. einer Stunde quatschen auf deutsch, englisch und Spanisch sind wir in die eine gute Bar gegangen, die es hier eben gibt. Lustig war, dass alle unterschiedlich gut verschiedene Sprachen konnten. So kam es dass ich manches erst auf deutsch dann auf englisch und schließlich noch einmal auf spanisch erzählt habe. Absolut stolz war ich, als mir dann noch zertifiziert wurde, dass man in meinem wenigen Spanisch schon einen Akzent heraus hören kann.
Ich wurde sogar noch in einem gnadenlos überfüllten Auto zum Hostel gefahren, wo ich versucht habe so leise, wie möglich durch das alte Holzhaus deutscher Siedler zu schleichen- vergeblich.

Am darauf folgenden Tag sind Franz und ich Shoppen gegangen. Kartoffelbrei mit Instant Nudeln, Spagetti mit Tomatensauce und Haferflocken mit Milchpulver – für mehr als zwei Wochen. (Und natürlich auch die ein oder andere Tafel Schokolade)

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Wir haben nämlich einen Neuen, abenteuerlichen Plan: Wir werden über die Anden nach Argentinien laufen! Zwischendurch ein paar Tage in den Anden verweilen, um Klettern zu gehen. Unser Visum läuft bald aus und das ist die abenteuerlichste (auch die billigste^^) Möglichkeit, ein neues Visum zu erlangen. Allerdings werden wir diese Tour mit unseren vollen 27 kg Marschgepäck antreten müssen – Plus Lebensmittel. Aber noch sind wir hoch motiviert.
Anschließend werden wir in Argentinien bis nach Futalefu reisen und dort wieder nach Chile, auf die Carretera Austral. Es wird zwar ein ganzes Stück Arbeit, aber wir freuen uns auf diese Herausforderung.

Nach unserem shopping haben wir uns dann mit den Mädels getroffen, die ich in der Nacht zuvor kennen gelernt habe. Wir waren in einem kostenlosen Museum, in dem einfach nur viel zu viele Alte Sachen scheinbar zufällig  platziert wurden.

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Im Anschluß haben wir noch ein richtig lustiges Fotoshooting gemacht.

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Auch gab es nur für uns eine Feuerwehr Parade. Ein wenig wie zu Hause haben wir uns dabei irgendwie schon gefühlt….

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Morgen geht unser Gewaltmarsch nach Argentinien los. Wir sind gespannt, was uns erwartet. Dieses mal sind wir auch darauf vorbereitet: in den letzten Tagen haben wir uns ne stattliche Hypervitaminose zugelegt. Die nächsten Vitamine wird es erst in Argentinien Geben – Wenn wir so nen Riesen Batzen Fleisch verdrücken ^^
Auch möchte ich euch vorwarnen, dass ihr evtl. jetzt eine Weile nix von uns hören könntet. Wir haben keine Vorstellung wie gut man auf der Carretera Austral Wifi findet.

Also hört ihr entweder in zwei Wochen aus Argentinien von uns, oder halt später …. so in nem Monat ^^ (hoffentlich senden wir dann nicht aus einem Krankenhaus… )

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