DER  SPICKER
Die Online-Zeitschrift, die schreibt, was euch bewegt.
Hinweis: Der Spicker veröffentlicht nun monatlich

Der Fall des "facebookianischen Imperiums"Veröffentlicht am 27.05.2014 in Nachgedacht

Daumen runter für die blaue NSA-Krankheit

„Ideen sind wie Krankheiten, sie breiten sich wie eine Infektion aus, bevor sie schließlich aussterben." MySpace, SchülerVZ und Wer-kennt-wen waren solche Ideen, die durch den „Facebookvirus" zum Erliegen kamen. Aber wann ging der blaue Virus unter?

 Wissenschaftler der Princeton University ziehen Gemeinsamkeiten aus dem Werdegang von Erregern und Facebook. Aus einer biologischen Formel, welche den Verlauf von hochinfektiösen Krankheiten errechnet, kann man theoretisch den Untergang von Facebook rechnerisch heraufbeschwören. Dieser soll zwischen den Jahren 2015 und 2017 geschehen. Die Forscher Cannarella und Spechler glauben, dass Facebook in diesem Zeitraum nur noch 240 Millionen User haben wird – also 80% weniger als heute.

Aber wieso verlässt allmählich der größte Teil der Masse Facebook? Laut Cannarella und Spechler sind die Gründe: „fehlende Innovation und mangelnde Datensicherheit". Genauer gesagt, springen 48% der Facebooker-Aussteiger ab, da sie um die Sicherheit ihrer Daten und Privatsphäre bangen. Nicht ohne Grund, denn begutachtet man die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Facebook-App, so darf diese alle Nachrichten ohne Vorwarnung lesen, den Kalender einsehen und Dateien vom Handy herunterladen. Fazit, jeder Facebook-User ist so transparent, dass das „NSA-ähnliche Imperium" weiß, was man fühlt, denkt und macht. Wegen der fehlenden Innovation kehren die 13-17 Jährigen der Internetplattform den Rücken zu und so wird das soziale Netzwerk zum Spielplatz für Rentner. Für Jugendliche ist nicht genug Abwechslung vorhanden, sodass das blau-weiße Logo einen mit der Zeit nur noch ermüdet. Facebook kann aber auch nichts daran ändern, da es einfach zu groß ist.

Ein weiterer Grund sind die massenhafte Werbung und Links, die es einem erschweren, durch den ohnehin schon dichten, informationsüberlasteten „Dschungel" zu blicken und diesen zu verstehen. Besonders nervtötend sind hierbei die plötzlich erscheinenden Videos und Grafiken, welche immer einen Moment des Schreckens verursachen.

Wegen all dieser Mängel flüchten die User regelrecht in andere soziale Netzwerke wie WhatsApp und Instagram. Beide wurden deshalb sofort von Facebook aufgekauft (WhatsApp mit 19 Milliarden US-Dollar, Instagram hingegen mit nur einer Milliarde US-Dollar). Durch diese Übernahmen, die größten in der Hightech-Branche, will Mark Zuckerberg, der Erfinder des blauen NSA-Virus, sein Territorium markieren und vergrößern. In meinen Augen schiebt er den unvermeidlichen Untergang von Facebook nur heraus.

„Die Geburt eines neuen sozialen Netzwerks hat den Tod eines alten zur Folge", sagt das Wissensmagazin „Welt der Wunder" aus. Dies kann man an vielen Geschehnissen der Vergangenheit festmachen. Wie oben schon erwähnt, fanden Onlineplattformen wie MySpace und SchülerVZ durch den Aufstieg von Facebook den Untergang. Wird also der von Zuckerberg freigesetzte Virus dasselbe durchmachen, wie all die anderen sozialen Netzwerke?

Ich denke ja: Seht euch einfach die Wachstumskurve von Facebook an, sie ist fast identisch mit der von MySpace.

 

Quelle: "Welt der Wunder" Ausgabe 04/2014

Teilen

Kommentare

comments powered by Disqus